Ruhrgebiet

Im Dezember 2018 ging das Zeitalter des deutschen Steinkohlenbergbaus auf Prosper-Haniel in Bottrop mit Schließung der letzten aktiven Zeche zu Ende. 150 Jahre Bergbaugeschichte haben im Ruhrgebiet besonders deutliche Spuren hinterlassen. 

Grubenwasser müssen im Ruhrgebiet pro Jahr gehoben werden.

Schon deshalb, weil hier neben der Förderung auch die unmittelbare Weiterverarbeitung der Kohle in Kokereien und Abnehmerindustrien angesiedelt war. Hinzu kommen geologische Besonderheiten. Ohne den dauerhaften Betrieb von Pumpen und Poldermaßnahmen stünden heute weite Teile des Ruhrgebiets unter Wasser. Damit das nicht geschieht, pumpt die RAG Aktiengesellschaft Jahr für Jahr rund 70 Millionen Kubikmeter Grubenwasser. 

Ein untertägiges Netz von Zuläufen und Wasserwegen ermöglicht es, die Aktivitäten an sechs Wasserhaltungsstandorten zu konzentrieren. Für die Zukunft sind das Lohberg (Dinslaken), Walsum (Duisburg), Heinrich (Essen), Friedlicher Nachbar (Bochum), Robert Müser (Bochum) und Haus Aden (Bergkamen). Damit das Wasser diesen Standorten unter Tage zufließen kann, muss es zunächst weiter ansteigen. Dabei hat der Trinkwasserschutz oberste Priorität. Dies umso mehr, als im Ruhrgebiet vorwiegend Oberflächenwasser aus der Ruhr zur Trinkwassergewinnung entnommen wird. Die moderne Brunnenwasserhaltung an den sechs Pumpstandorten stellt sicher, dass Grubenwasserpegel und Grundwasservorkommen auch nach dem Anstieg in deutlichem Abstand zueinander verbleiben werden. Zudem bedingt die geringere Fördertiefe, dass der Einsatz der Pumpen besonders energiesparend und ab spätestens 2030 klimaneutral erfolgen kann. 

Auf dem Weg zu diesem Ziel sorgt das ausgefeilte Wasserhaltungskonzept der RAG schon heute dafür, dass hunderte von Kilometern Flussnebenläufe von der Grubenwassereinleitung befreit werden konnten. Jüngstes Beispiel ist die Emscher, die erstmals seit über hundert Jahren wieder grubenwasserfrei ist. 

zentrale Wasserhaltungsstandorte verbleiben im Revier.

Fließgewässer werden durch das moderne Grubenwassermanagement entlastet.

Emscher-Renaturierung: ein Jahrhundertprojekt

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Wasser müssen im Ruhrgebiet jährlich gepoldert werden.

An der Zeche Zollverein, dem Sitz der RAG-Stiftung, liegt das Gelände heute rund zwanzig Meter tiefer als noch zu Beginn des Kohlezeitalters. So wie hier hat der aktive Bergbau an der Ruhr vielerorts Senken und Verwerfungen hinterlassen, die unbefristet künstlich entwässert werden müssen. Um das Ruhrgebiet trockenzuhalten, ist es erforderlich, mehr als eine Milliarde Kubikmeter Wasser jährlich zu bewegen. Seit mehr als hundert Jahren übernehmen das die Emschergenossenschaft, der Lippeverband und die Linksniederrheinische Entwässerungs-Genossenschaft. Wo entsprechende Pump- und Poldermaßnahmen durch den Bergbau bedingt sind, übernimmt die Kosten die RAG-Stiftung.  Entsprechende Pumpwerke sorgen auch dafür, dass Gewässer ihre ursprüngliche Fließrichtung beibehalten und eine Vernässung durch nachdrängendes Grundwasser ausbleibt. An großen Fließgewässern schützen Deichanlagen vor Hochwasser und Überschwemmungen. 

Poldermanagement nachhaltig gestalten

Das von der RAG-Stiftung geförderte Projekt „MuSE“ – kurz für Multisensor-Geomonitoring zur Optimierung der nachbergbaulichen Wasserhaltung - nimmt die nachhaltige Neuausrichtung des Poldermanagements in den Blick. Mittelfristig lassen sich die Forschungsergebnisse auch auf nichtbergbauliche Anwendungsfälle übertragen. So könnten etwa die wirtschaftliche und technische Nutzung eines gehobenen Grund- und Oberflächenwassers ihren Beitrag dazu leisten, Dürreschäden in der Land- und Forstwirtschaft zu minimieren. Gleichzeitig lassen sich mit digitalen Modellen Extremwetterphänomene wie Starkregen besser vorhersagen und Maßnahmen ableiten, mit denen sich die negativen Folgen solcher Ereignisse eindämmen lassen.

Mancherorts gehen die topografischen Veränderungen des Bergbaus auch mit positiven Auswirkungen einher: Wassernahe Flächen sind in unserer Kulturlandschaft selten geworden. Bergbaubedingte Senken haben sich in einigen Fällen zu reizvollen Feuchtbiotopen entwickelt, die einen wertvollen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten bilden. Solche Biotope werden von der RAG in enger Kooperation mit Behörden und Naturschutzverbänden gepflegt und geschützt.

Wie Grubenwasser speisen sich auch unsere Trinkwasservorräte aus Regenfällen und versickerndem Oberflächenwasser. Allerdings werden sie auf ihrem Weg in die Tiefe von wasserundurchlässigen Schichten aufgehalten und nehmen entsprechend weniger Mineralien und Spurenelemente auf. Dass der Grundwasserschutz im Ruhrgebiet eine Reihe zusätzlicher Vorkehrungen erforderlich macht, ist insbesondere auf ökologische Belastungen im Umfeld einiger ehemaliger Kokereibetriebe zurückzuführen. Zum Teil sind das Standorte, deren Ursprünge bis weit in das 19. Jahrhundert zurückreichen. Das Ausmaß der Verunreinigungen sowie der Umfang der Monitoring- oder Sanierungsmaßnahmen ist in jedem Einzelfall in den Abschlussbetriebsplänen festgelegt, die im Rahmen der Stilllegung erstellt und mit der zuständigen Bergbehörde abgestimmt werden. Neben dem Bundesberggesetz kommen darin auch Bodenschutz-, Wasser-, Immissionsschutz- und Naturschutzrecht sowie das Subventionsrecht zur Geltung. 

Grundwasseraufbereitungsanlagen

gereinigtes Grundwasser pro Jahr.

Die besondere Sorgfalt ist wohlbegründet: Zuverlässiges Sanierungsmanagement, die dauerhafte Separierung von Verschmutzungen und Trinkwasser sowie – wo nötig – dessen sorgfältige Aufreinigung und Überwachung sind unverzichtbare Ewigkeitsaufgaben. An einigen Standorten werden kontaminierte Flächen durch sogenannte Umlagerungsbauwerke abgeschlossen und abgedichtet. Im Zusammenspiel mit Reinigungsanlagen, Drainagen, Brunnen und Pumpen entsteht ein bis ins Detail abgestimmtes System zur Wiederaufbereitung. Nach Abscheidung von Verschmutzungen und Schadstoffen wird das gereinigte Grundwasser in die Kanalisation eingeleitet oder fließt in anliegende Gewässer ab. Die Wasserqualität wird in engen Abständen von einem unabhängigen Institut überprüft. Auf diese Weise reinigt die RAG Aktiengesellschaft aktuell jährlich 993.000 Kubikmeter Grundwasser in 22 Aufbereitungsanlagen.


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